info@lionsulphur.comMo–Fr 09:00–18:00 (GMT+3) LinkedInInstagramYouTube
Lion Global Sulphur
Markt / Analyse
Marktanalyse6 Min. Lesezeit

Schwefelmarkt international: Hintergrundanalyse April 2026

Vom Nebenprodukt der Erdölindustrie zum strategischen Rohstoff.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • +440 %: Anstieg des CFR-Preises Indonesien (Juli 2024 → Jan. 2026)
  • 5,13 Mio. t: geschätztes weltweites Versorgungsdefizit 2026
  • ~50 %: Anteil des seewärtigen Schwefelhandels, der durch die Straße von Hormus läuft
  • 28,3 Mrd. $: erwartete Größe des Weltmarkts im Jahr 2030

01 | Preisentwicklung

Schwefel ist mit historisch hohen Preisen in das Jahr 2026 gestartet. Der CFR-Preis für Indonesien stieg von 101 $/t im Juli 2024 bis zum 29. Januar 2026 um 440 % auf 554 $/t, angetrieben vom sprunghaften Wachstum der Nachfrage aus der Nickelverarbeitung.

Regionale Spotpreise im März 2026 (IMARC Group):

  • Nordostasien: 0,61 $/kg
  • Indien: 0,50 $/kg
  • Europa: 0,41 $/kg
  • Naher Osten: 0,33 $/kg
  • Nordamerika: 0,20 $/kg

Eine einzige Ausschreibung von Tüpraş Ende März bringt die Lage auf den Punkt: Schwefel zur Verladung im April ab Izmit wurde zu 662–672 $/t FCA vergeben, rund 155 $/t mehr als bei der vorherigen Ausschreibung nur wenige Wochen zuvor.

02 | Angebot und Nachfrage: die strukturelle Verknappung

HDIN Research schätzt das weltweite Versorgungsdefizit 2026 auf rund 5,13 Millionen Tonnen. Dahinter steht ein grundlegendes Paradox:

„Die weltweite Energiewende drückt die Auslastung der Raffinerien, um die Kohlenstoffemissionen zu senken. Genau das begrenzt aber unmittelbar die Schwefelproduktion und erzeugt einen Deckeleffekt, der auf eine stark steigende Nachfrage der Industrie trifft.“

Schwefel ist kein Primärprodukt, sondern fällt als Nebenprodukt bei der Erdölraffination und der Gasaufbereitung an. Da die Energiewende den Durchsatz der Raffinerien in den kommenden Jahrzehnten verringert, dürfte die weltweite Raffineriekapazität nach Prognosen der IEA nach 2035 ihren Höhepunkt erreichen. Damit stößt das Angebotswachstum an eine strukturelle Obergrenze.

Die zusätzlichen Mengen im Jahr 2026 sind überschaubar: China steuert ~400.000 t bei, der Nahe Osten ~2,1 Mio. t. Ob sich die russischen Kapazitäten erholen, ist höchst ungewiss (SunSirs).

Auf der Nachfrageseite erwartet die IMARC Group, dass der weltweite Schwefelverbrauch bis 2034 bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 3,04 % auf 94,82 Millionen Tonnen steigt. Berechnet wurde diese Zahl wohlgemerkt, bevor die Hormus-Krise ihre volle Wirkung entfaltete.

03 | Drei Kräfte, die den Markt umkrempeln

Russlands Exportverbot: bestätigt und verlängert

Am 31. März 2026 unterzeichnete die russische Regierung die Verordnung Nr. 350, die das Exportverbot für flüssigen, granulierten und stückigen Schwefel bis zum 30. Juni 2026 verlängert (Interfax / russisches Ministerium für Industrie und Handel). Als Begründung werden der Schutz der heimischen Düngemittelproduktion und die nationale Ernährungssicherheit genannt.

Eine europäische Handelsquelle sagte dazu gegenüber S&P Global Platts: „Russland ist vom wichtigsten großen Exporteur zum Nettoimporteur geworden. Der Markt erlebt einen strukturellen Umbau.“

Ausnahmen gelten nur für Mitgliedstaaten der EAEU und für humanitäre Lieferungen.

Indonesiens Nickelbranche: Nachfragemotor und Bruchstelle

Indonesien kontrolliert mehr als 50 % der weltweiten Nickelproduktion. Seine HPAL-Anlagen (Hochdruck-Säurelaugung, High-Pressure Acid Leaching) benötigen rund 3 Tonnen Schwefelsäure je Tonne erzeugten Nickels.

Die wichtigsten Daten:

  • Indonesien importierte 2025 insgesamt 5,35 Millionen Tonnen Schwefel, 48 % mehr als im Vorjahr
  • Schwefel macht ~50 % der Betriebskosten von HPAL-Anlagen aus (Project Blue)
  • HPAL-Anlagen halten im Schnitt nur Schwefelvorräte für 1–2 Monate (Reuters)
  • 75 % des indonesischen Schwefels stammen aus dem Nahen Osten (CRU)

Im 1. Quartal 2026 sind zwei neue Risiken hinzugekommen: Die indonesische Regierung dürfte die Förderquoten für Nickelerz auf 250–260 Mio. t senken (nach 370 Mio. t im Jahr 2025). Zudem haben im März vier von chinesischen Unternehmen betriebene Nickelwerke im Industriepark Morowali nach einem tödlichen Erdrutsch den Betrieb eingestellt. Betroffen sind ~30 % der HPAL-Kapazität Indonesiens (BC Insight / CRU).

Straße von Hormus: das Nadelöhr der weltweiten Schwefelversorgung

Der Konflikt, der am 28. Februar 2026 begann, ist nach den Worten von IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol „die größte Bedrohung der weltweiten Energiesicherheit in der Geschichte“.

Die Straße von Hormus, durch die rund 50 % des gesamten seewärtigen Schwefelhandels laufen (IEA), ist seit Anfang März faktisch geschlossen. Auf den Nahen Osten entfallen 24 % der weltweiten Schwefelproduktion von jährlich 83,87 Millionen Tonnen (USGS).

Birol erklärte Anfang April: „Neben Öl und Gas sind lebenswichtige Rohstoffe wie Petrochemikalien, Düngemittel und Schwefel für die weltweiten Lieferketten sehr wichtig. Wir steuern auf eine große, große Störung zu.“

Afrikas Kupfergürtel (DR Kongo, Sambia) importiert jährlich ~2 Millionen Tonnen Schwefel, davon 90 % aus dem Nahen Osten. Im Wettlauf um die verfügbaren Mengen konkurrieren Nickelraffinerien, Kupferminen und Düngemittelhersteller nun auf einem immer engeren Spotmarkt gegeneinander.

Am 8. April wurde eine vorübergehende Waffenruhe vereinbart. Mit Stand 9. April ist die Meerenge jedoch weiterhin faktisch geschlossen, da Iran die Durchfahrt von Schiffen beschränkt (Wikipedia / 2026 Hormuz Crisis).

04 | Schwefel in neuer Rolle: drei neue Nachfragefelder

Die Einsatzgebiete von Schwefel werden strukturell breiter:

  • LFP-Batterien: Lithium-Eisenphosphat-Batterien beliefern inzwischen fast die Hälfte des weltweiten Markts für Elektrofahrzeuge, nach weniger als 10 % im Jahr 2020 (IEA). Für ihre Herstellung wird hochreine Schwefelsäure in großen Mengen benötigt. ChemAnalyst bestätigte im Januar 2026, dass die Nachfrage aus der LFP-Fertigung den traditionellen saisonalen Preiszyklus bei Schwefel durchbrochen hat.
  • Nickel-HPAL (Indonesien): Die industrielle Erschließung der lateritischen Nickelvorkommen Indonesiens hat eine Dynamik ausgelöst, die SunSirs als „konzentrierte Nachfragefreisetzung“ bezeichnet. Für die Schwefelnachfrage gibt es dafür kein historisches Vorbild.
  • Zukunftsfeld Lithium-Schwefel-Batterien: Sollten Festkörperbatterien auf Sulfidbasis die Marktreife erreichen, könnte die Nachfrage nach hochreinem Schwefel auf ein Mehrfaches des heutigen Niveaus steigen und ein völlig neues strategisches Wachstumsfeld eröffnen (SunSirs, Januar 2026).

05 | Düngemittel: unterschiedliche Risiken je nach Anbauregion

Wie stark die Folgen ausfallen, hängt deutlich vom Einkommensniveau eines Landes und von seinen Einkaufsgewohnheiten ab.

Industrieländer (USA, EU, Brasilien): Große landwirtschaftliche Betriebe in den USA und in Brasilien sind mit vorab gekauften Düngemittelvorräten in die Frühjahrssaison 2026 gegangen. Für diese Märkte wirkt sich die Störung vor allem über höhere Betriebsmittelkosten für die Herbstsaison 2026 aus (Düngung des Winterweizens in den USA: Juli–September; Vorsaatdüngung für Frühjahrsmais: Oktober–November).

Die EU ist direkt kaum betroffen: Weniger als 0,5 % ihrer Düngemittelimporte stammen aus Golfstaaten, die auf die Straße von Hormus angewiesen sind.

Der Chefökonom der FAO, Maximo Torero, nannte die am unmittelbarsten betroffenen Länder: Bangladesch, Indien, Pakistan und Sri Lanka in Südasien, Sudan, Kenia und Somalia in Ostafrika sowie die Türkei und Jordanien im Nahen Osten.

In Indien beginnt die Aussaat im Juni. Avinash Kishore vom Forschungsinstitut IFPRI betonte Ende März, mit der Beschaffung der Düngemittel „muss schon jetzt begonnen werden“. Indien importiert Stickstoffdünger und zusätzlich das Erdgas, mit dem es solchen Dünger im Inland herstellt, und ist damit doppelt verwundbar.

06 | Ausblick

Kurzfristig: Der Short-Term Energy Outlook der EIA vom April 2026 geht davon aus, dass die Störungen in Hormus bis Ende 2026 anhalten. Mit Russlands Exportverbot bis zum 30. Juni fällt ein wichtiger Ausgleichsmechanismus weg. Die Preise bleiben volatil und regional zersplittert.

Mittelfristig: Der weltweite Schwefelmarkt soll bis 2030 bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 11,9 % ein Volumen von 28,31 Mrd. $ erreichen (The Business Research Company). SunSirs erwartet, dass der chinesische Inlandspreis 2026 die historische Obergrenze von 4.000–6.000 RMB/t testet und womöglich durchbricht.

Strukturelles Risiko: Die Energiewende bremst das Schwefelangebot (weniger Raffinerien) und treibt zugleich die Nachfrage (Verarbeitung von Batteriemetallen). Dieses Missverhältnis, belegt von HDIN Research, SunSirs und der IEA, ist die zentrale Herausforderung für den Markt bis 2030 und darüber hinaus.

Quellen

IEA | EIA (April 2026 STEO) | Russische Regierung (Verordnung Nr. 350) | HDIN Research | SunSirs | ChemAnalyst | S&P Global Platts | Reuters | CRU Group / BC Insight | IMARC Group | World Economic Forum | The Business Research Company | Project Blue / USGS

Zuerst auf LinkedIn veröffentlicht. Die genannten Preise sind Marktbewertungen der jeweiligen Woche und kein aktuelles Angebot.Auf LinkedIn öffnen →
← Alle Marktnotizen

Wöchentlicher Marktbericht

Die Marktnotiz jede Woche im Postfach

Eine Zusammenfassung der Marktnotiz, die wir jede Woche veröffentlichen – direkt zu Ihnen.

Jede Woche schicken wir eine Zusammenfassung unserer aktuellen Marktnotiz. Nach dem Anhaken erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail; das Abonnement beginnt erst, wenn Sie den Link darin anklicken. Abmelden geht mit einem Klick – der Link steht am Ende jeder Nachricht. Ihre Adresse wird ausschließlich für diesen Bericht verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Bei Empfängern in der Türkei wird die Einwilligung, wie gesetzlich vorgeschrieben, im staatlichen Register für kommerzielle Nachrichten (İYS) erfasst. Einwilligungs- und Abmeldenachweise bewahren wir drei Jahre nach Ihrer Abmeldung auf. Zu Ihren Rechten und für Anfragen: ugur@lionsulphur.com · Datenschutz und personenbezogene Daten.

Was dürfen wir für Sie liefern?

Produkt, Menge, Bestimmungshafen und Incoterm: Mit diesen vier Angaben nennen wir Ihnen Verfügbarkeit, mögliche Ursprünge und Konditionen.