Die Lieferpreise am Spotmarkt geben weiter nach. Für kurzfristig ladende Partien gibt es kaum Interesse, und Verkäufer werden flexibler, um verfügbare Mengen unterzubringen. Günstigere Angebote aus Vancouver und dem Nahen Osten drücken die Preisvorstellungen in Asien, während Käufer in China und Indonesien lieber auf niedrigere Niveaus warten.
Das eigentliche Problem liegt in der Weiterverarbeitung. Düngemittelhersteller in Nordafrika, Brasilien und China fahren wegen schwacher Nachfrage mit reduzierter Auslastung, und die Nickelproduktion in Indonesien liegt unter dem Vorjahr. Es geht also nicht nur um Dünger – auch Industriekunden halten sich zurück.
Die Fracht stützt die Kosten, nicht die Preise. Das Hormus-Risiko, Wartezeiten im Golf und steigende Bunkerkosten halten die Frachtraten zwischen Nahost und Asien hoch. Trotzdem akzeptieren Verkäufer niedrigere Lieferpreise, um wettbewerbsfähig zu bleiben – und Käufer haben es nicht eilig.
Worauf ich regional achte:
- Asien: Ware aus Vancouver wird offensiver nach Asien angeboten, und Verkäufer aus dem Nahen Osten senken ihre Lieferpreise nach Indien und Asien, um mitzuhalten.
- China: Nachgebende Inlandspreise belasten importierten Schwefel.
- Indien: Käufer warten auf niedrigere Preise; an der Ost- und Westküste werden Abschlüsse zu unterschiedlichen Niveaus getätigt.
- Indonesien: Nachdem Schiffe die Straße von Hormus passiert haben, richtet sich das Interesse wieder auf Schwefel; mehr verfügbare Schwefelsäure im Inland verschafft Käufern aber Zeit.
- Nordafrika: Die Q4-Kontrakte wurden für den Großteil der Mengen niedriger abgeschlossen; Marokko nimmt weiterhin große Mengen ab.
- Phosphate: Einige Hersteller haben wegen nicht tragbarer Rohstoffkosten Kapazitäten stillgelegt – von SSP-Anlagen in Ägypten bis zu einem vorübergehenden Stillstand in Florida.
- Europa: Einige Q4-Kontrakte für Flüssigschwefel im Benelux-Raum wurden niedriger vereinbart.
- Zentralasien/Russland: Die Exporte laufen weiter, die Mengen für November und Dezember sind aber noch offen.
Auch die Kontrakte zeigen nach unten. Die Q4-Verhandlungen schließen trotz höherer Fracht- und Bunkerkosten mit deutlichen Abschlägen. Die Schwäche am Spotmarkt schlägt also auch auf das Termingeschäft durch.
Phosphate sind der entscheidende Faktor. Hohe Schwefelkosten zwingen Phosphathersteller zu Stillständen und Kürzungen, was die Schwefelnachfrage weiter schwächt. Günstigerer Schwefel kann dort etwas Kostenentlastung bringen, die schwache Nachfrage dürfte den Effekt jedoch begrenzen.
Mein Fazit: Die Verhandlungsmacht liegt bei den Käufern. Für Verkäufer geht es darum, Spotmengen zu platzieren, das Kontraktportfolio zu schützen und die Logistikkosten eng zu steuern. Das ist kein Einbruch, sondern eine kontrollierte Abschwächung – ohne ein nachhaltiges Signal von der Nachfrageseite ist eine Wende nach oben kaum zu erwarten.
