Wochenanalyse für Investoren, Händler und Branchenakteure. Fünf zentrale Entwicklungen haben den Markt in dieser Woche neu geprägt:
1 — OSPs für April: Rekordniveaus
QatarEnergy legte seinen Schwefelpreis für April auf $570/t FOB fest — das höchste Niveau seit 2013, $80/t über dem Höchststand vom August 2022. ADNOC folgte mit $600/t FOB Ruwais, ein Plus von $70/t gegenüber dem Vormonat.
Einschließlich Fracht und Kriegsrisikoversicherung steigen die Lieferkosten auf ~$636–638/t CFR Indien und ~$646–652/t CFR China. Die Frachtraten sind seit dem 28. Februar um ~118 % gestiegen.
Diese Preise bleiben weitgehend theoretisch. Da die Straße von Hormus faktisch geschlossen ist, können Ladungen nicht bewegt werden. Der Markt hat Preistransparenz — aber keine Liefersicherheit.
2 — Europa preist eine Kriegsprämie ein (31. März)
Lanxess erhöhte die Preise für sein gesamtes schwefelbasiertes Portfolio um ~40 %, einschließlich hochreiner Schwefelsäure für Halbleiter, Lithiumbatterien und Agrochemikalien.
Dies spiegelt einen strukturellen Wandel wider: Die europäische Industrie preist geopolitische Risiken und Logistikinflation bereits in ihre Kostenbasis ein.
3 — Exportkontrollen in Sambia; Versorgungsengpass in der DR Kongo (1. April)
Sambia verhängte Exportbeschränkungen für Schwefelsäure, um die Inlandsversorgung zu schützen.
Die Preisdivergenz ist inzwischen extrem:
- Sambia → ~$330/t ab Werk
- DR Kongo → >$550/t ab Werk
Bergbaubetriebe stehen unter Druck, ihre Säureversorgung zu sichern. Rangfolge der Exponierung:
- Indonesisches Nickel-HPAL
- Kupferbetriebe mit SX-EW / Laugung in der DR Kongo
- Batterie- und Chemie-Wertschöpfungsketten
4 — OCP drosselt die Produktion; Düngemittelangebot wird knapper (2. April)
Marokkos OCP zog Wartungsarbeiten vor, die bis zu 30 % der Q2-Kapazität betreffen.
Bei über 50 % des Schwefels aus dem Nahen Osten und Exportmengen von:
- 4,4 Mt DAP
- 2,7 Mt MAP
- ~3 Mt TSP (2025)
Dies ist keine routinemäßige Wartung — es ist eine Beschränkung des globalen Düngemittelangebots.
5 — Tüpraş-Tender: Preise außerhalb von Hormus bestätigt (3. April)
Tüpraş schloss seinen Tender für April-Verladung bei $662–672/t FCA ab, $155/t mehr als im Februar ($487–536/t).
Fazit: Auch Schwefel außerhalb von Hormus wird über $660/t FCA gehandelt. Es gibt keinen kostengünstigen Angebotspuffer.
Gesamtbild — ein Rohstoff, drei Industrien
Der Wettbewerb um das Angebot verschärft sich zwischen:
- Indonesischen Nickelraffinerien
- Afrikanischen Kupferproduzenten
- Globalen Düngemittelherstellern
Schwefel ist der gemeinsame Engpass.
Laut Project Blue entfallen bereits ~50 % der HPAL-Betriebskosten auf Schwefel. Ohne Ersatzangebot könnten Produktionskürzungen innerhalb weniger Wochen beginnen.
Die Lagerbestände im südlichen Afrika (~900 kt) decken nur einen begrenzten Bedarf.
Kpler-Daten:
- 53 % der Schwefelexporte vom Golf → Asien
- 64 % der Ammoniakexporte vom Golf → Asien
Wichtigste Zielländer: Indien, Brasilien, China.
Preisübersicht — 5. April 2026
- QatarEnergy FOB Ras Laffan → $570/t
- ADNOC FOB Ruwais → $600/t
- Tüpraş FCA → $662–672/t
- CFR Indien → ~$636–638/t
- CFR China → ~$646–652/t
- Schwefelsäure DR Kongo → >$550/t
- Sambia → ~$330/t
Drei Akteursgruppen — zentrale Erkenntnisse
Investoren: S&P bestätigte Marokkos Rating von BBB–, wies jedoch auf das Risiko der Hormus-Exponierung hin. OCP importiert jährlich ~3,7 Mt Schwefel, überwiegend vom Golf. Die Kostenstrukturen bei Düngemitteln, Nickel und LFP-Batterien haben sich wesentlich verschoben.
Händler: Tüpraş liefert die klarste Benchmark: $660–672/t FCA außerhalb von Hormus. Ein kurzfristiger Ersatz des Angebots aus dem Nahen Osten bleibt unrealistisch. Ausgewählte Transitrouten bieten begrenzte taktische Chancen, doch die Margen werden durch Fracht und Versicherung geschmälert.
Industrielle Käufer: Selbst bei sofortiger Wiederöffnung kann die Normalisierung der Logistik Wochen dauern. Die vollständige Erholung der Lieferkette könnte Monate oder länger dauern. Die Produktionsrisiken im Q2 steigen für Käufer ohne Absicherung.
Zeitliches Risiko
Die Frist des Hormus-Ultimatums läuft am 6. April um 8 Uhr abends (ET) ab. Die Beratungen im UN-Sicherheitsrat sind weiterhin ohne Ergebnis.
Die Lieferketten für kritische Mineralien — insbesondere Schwefel — stehen bereits unter schwerer Belastung.
Alle Augen richten sich auf Montag.
