Mit Stand Mittwoch, 18. März 2026, ist der internationale Schwefelmarkt in die kritische Phase der „Lagererschöpfung“ eingetreten. Aus dem anfänglichen Schock nach der Schließung der Straße von Hormus am 28. Februar ist ein struktureller Mangel geworden: Die Sicherheitsbestände der Industrie in China, Marokko und Indonesien haben die kritische Marke von 21 Tagen erreicht.
Marktlage (18. März 2026)
Der Preisabstand zwischen der am Golf festsitzenden Ware und dem erreichbaren internationalen Angebot ist so groß wie nie zuvor.
- Hafenpreis China (BAIINFO): 4.820 RMB/t (~700 $), Wochentendenz ↑ 4,2 %
- Tankerverkehr durch Hormus: Rückgang um ~90 %, keine Bewegung
- Weltweites Schwefeldefizit: -5,1 Millionen Tonnen (Schätzung 2026), Tendenz steigend
- Fracht (Mittlerer Korridor): 120–145 $/t, steigend
Lage in den Regionen
- China (Engpass im Frühjahr): Importierter Granulatschwefel wird in chinesischen Häfen mit 4.820 RMB/t notiert. Die Hafenbestände sind unter 1,7 Millionen Tonnen gefallen, bis Anfang April droht der physische Bestand vollständig aufgebraucht zu sein. Die Inlandsproduktion läuft zwar mit 105 % der Kapazität, deckt aber nur ~50 % des landesweiten Bedarfs.
- Marokko (OCP): Obwohl OCP in diesem Monat eine neue TSP-Produktionslinie in Betrieb genommen hat, kämpft das Unternehmen mit gravierendem Schwefelmangel. Es hat seinen Einkauf offiziell von den VAE und Saudi-Arabien auf Kasachstan und Vancouver umgestellt und zahlt „Notaufschläge“, um sich Ladungen aus dem Atlantikraum zu sichern.
- Naher Osten: In den Ursprungsländern türmen sich gewaltige Schwefelbestände, weil die Produzenten ihre Ware nicht abtransportieren können. Zwar wird über „neutrale“ Tanker für die Durchfahrt verhandelt, doch die Versicherer verweigern weiterhin die P&I-Deckung, und die Schiffe bleiben vor Anker.
Logistik: die Route über Kasachstan und Turkmenistan
Wer derzeit Ware aus Kasachstan oder Turkmenistan bezieht, ist am Markt in der beneidenswertesten Lage. Der „Mittlere Korridor“ über Aktau und Baku ist die einzige verbliebene zuverlässige Versorgungsroute für große Mengen. Wegen überlasteter Bahnstrecken an den Grenzübergängen ist die Transitzeit allerdings auf 22 Tage gestiegen.
Strategisches Fazit
Eine Ladung im Wert von 16 Mio. $ dürfte gemessen am BAIINFO-Index seit Anfang März um 1,2 Mio. $ an Marktwert gewonnen haben. Selbst wenn die Meerenge sofort wieder geöffnet würde, dürften der Rückstau und die Produktionsausfälle die Preise bis Ende des 2. Quartals 2026 über 600 $/t halten.
